Sparkasse

Eine Sparkasse (englisch savings bank, französisch caisse d’épargne) ist ein Kreditinstitut mit der Aufgabe, breiten Bevölkerungsschichten Möglichkeiten zur Geldanlage anzubieten, den Zahlungsverkehr durchzuführen und die örtlichen Kreditbedürfnisse auch der mittelständischen Wirtschaft zu befriedigen.





Allgemeines
Sparkassen dürfen alle Bankgeschäfte mit allen Kundengruppen betreiben und gehören deshalb zu den Universalbanken. Außerdem zeichnet sie ihr Filialnetz aus, das sie zu Filialbanken macht. Die Komposition des Wortes Sparkasse ist historischen Ursprungs und deutet auf ihre ursprüngliche Aufgabe hin, Spareinlagen durch Bareinzahlung in die Kasse entgegenzunehmen. Was Sparkassen von anderen Banken unterscheidet sind die Trägerschaft durch eine Gebietskörperschaft, ihr auf den Bezirk der Gebietskörperschaft beschränktes Geschäftsgebiet und das Gemeinnützigkeitsprinzip. Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen bilden in Deutschland einen Teil der Bankengruppe der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute und sind in dem im Dezember 1884 gegründeten Deutschen Sparkassen- und Giroverband zusammengeschlossen. Er ist ein Interessenverband und besteht als Dachverband insbesondere aus den regionalen Sparkassen- und Giroverbänden, denen wiederum die jeweiligen Sparkassen angehören. Für die freien Sparkassen gibt es in Deutschland den Verband der Deutschen Freien Öffentlichen Sparkassen.

Deutschland




In Deutschland stellen Sparkassen und Landesbanken eine Finanzsäule im Drei-Säulen-Modell des Finanzsektors dar. Die Sparkassen-Finanzgruppe erreicht, insbesondere aufgrund der hohen lokalen Präsenz und Produktbündelung, in vielen Geschäftsfeldern der Finanzdienstleistungsbranche hohe Marktanteile, in Teilbereichen (Kundenspareinlagen) ist sie sogar Marktführer. Dabei ist die Hamburger Sparkasse mit einer Bilanzsumme von über 38 Mrd. € die größte Sparkasse vor der Sparkasse KölnBonn mit etwa 29 Mrd. € und der Kreissparkasse Köln mit über 24 Mrd. €.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]





Rechnungsbuch der Spar- und Waisenkasse Salem von 1882
Wann in Deutschland die erste Sparkasse entstand, ist umstritten. Die ersten, artverwandten Vorläufer der Sparkassen hießen nämlich noch „Waisenkassen“ oder „Leihkassen“ wie beispielsweise die 1749 von der Reichsabtei Salem zur Verwaltung von Waisenrenten eingerichtete Kasse. Sparkassen entstanden zumeist im 18. Jahrhundert, um den ärmeren Bevölkerungsschichten eine sichere Möglichkeit zu eröffnen, kleinste Kapitaleinlagen zur Risikovorsorge im Alter oder bei Krankheit verzinslich zurückzulegen. Als sparkassenähnliche Institute galten jedenfalls die Leihbank zu Hanau (gegründet am 10. April 1738 durch Landgraf Wilhelm VIII.), die Württembergische Waisenkasse in Roth (1746 durch Anselm II. Schwab), die Braunschweigisch-Herzogliche Leihhaus-Kasse (gegründet im März 1765 „unter landesfürstlicher Garantie“), die – noch existierende – Fürstlich Castell’sche Credit-Casse (1774) oder die Fürstliche Leihkasse in Detmold (1786),[1] letztere mit dem Schwerpunkt als Realkreditinstitut. Die Oldenburger Ersparungscasse von 1786 galt lange Zeit als älteste bestehende Sparkasse der Welt,[2] deren Gründungsurkunde am 1. August 1786 unterzeichnet wurde; sie ging in der Landessparkasse zu Oldenburg auf. Als erste Sparkasse gilt nach modernem Verständnis die von der Hamburger „Patriotischen Gesellschaft zur Förderung der Künste und des Unterrichts“ 1788 ins Leben gerufene Ersparungsclasse der „Allgemeinen Versorgungs-Anstalt“.[3] Sie gab auch an Dienstboten, Tagelöhner und Seeleute Sparbücher aus, so dass auch „einfache Leute“ ihr Erspartes sicher und gegen Zins anlegen konnten.[4]





Im Juni 1801 nahm die Spar- und Leih-Casse Göttingen als erstes kommunales Kreditinstitut die Arbeit auf.[5] In den Folgejahren ging eine Vielzahl der Bürgersparkassen in die Trägerschaft der Kommunen über. Die Städteordnung des Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein vom 19. November 1808 sorgte für die kommunale Selbstverwaltung, die dazu führte, dass die Gemeinden die kommunale Sparkassenidee aufgriffen und die Gründung von Sparkassen veranlassten. 1818 wurde in Stuttgart die Württembergische Spar-Casse für das ganze Königreich Württemberg gegründet. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Gründung der ersten Sparkasse Sachsens in Königsbrück auf Betreiben und mit finanzieller Beteiligung des Konferenzministers Peter Karl Wilhelm von Hohenthal. Nach der „revidierten Städteordnung“ vom 17. März 1831 erforderte die Errichtung von Sparkassen eine Genehmigung des Regierungspräsidenten, weil die Annahme von Spareinlagen als genehmigungspflichtige Anleihe der jeweiligen Trägerkommune galt.[6] Nachdem am 12. Dezember 1838 das Preußische Sparkassenreglement erlassen wurde, fiel in die Zeit zwischen 1840 und 1860 die intensivste Gründungszeit für Sparkassen, denn in diesem Zeitraum entstanden mehr als 800 neue Sparkassen. Im Jahre 1838 gab es in Preußen 85 öffentliche Sparkassen, 1850 erhöhte sich ihre Zahl auf 234, 1870 waren sie auf 932 angewachsen, in Gesamtdeutschland gab es um die Jahrhundertwende 2.500 Sparkassen.[7] Danach trat ein Konsolidierungsprozess ein, denn 1961 bestanden bundesweit 865 öffentliche Sparkassen. Im Jahr 1880 entstand die erste Pfennigsparkasse in Darmstadt.





Als Folge der Bankenkrise 1931 brachte die „Verordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen“ vom 6. Oktober 1931 die Selbständigkeit der Sparkassen nach Art. 1 § 2 NotV3, denn sie bekamen nunmehr die Rechtsform der kommunalen Anstalt des öffentlichen Rechts.[8] In dieser Reichsnotverordnung hatte auch die Gewährträgerhaftung ihren Ursprung. Grund für die Einführung der Gewährträgerhaftung war, dass die Gläubiger durch die Verselbstständigung der Sparkassen nicht die kommunale Haftung für die Verbindlichkeiten der Sparkasse verlieren sollten. Solange die Sparkassen ein organisatorischer Teil der Gemeinden waren, hafteten die Gemeinden für diese Verbindlichkeiten. Die rechtliche Gleichstellung der Sparkassen mit den Banken erfolgte erstmals durch das Kreditwesengesetz vom Dezember 1934.





Nach dem Zweiten Weltkrieg trennte sich die Geschichte der Sparkassen in der DDR von denen im Westen Deutschlands. In der DDR bekamen die noch existierenden Sparkassen ihre Kunden zugewiesen und erhielten von der Notenbank im Januar 1951 sämtliche Sparkonten, im Januar 1952 übertrug ihnen die Notenbank die alleinige Zuständigkeit für die Kontenführung der Kleinstbetriebe bis zu 10 Beschäftigten; im Gegenzug hatten sie alle Konten öffentlicher Organe und größerer Betriebe auf die Notenbank zu übertragen.[9] Einen echten Teilzahlungskredit ermöglichte die am 16. Oktober 1953 in Kraft getretene „Anordnung über die Finanzierung des Kaufs von Möbeln und anderen langlebigen Gebrauchsgütern“. Seit Oktober 1956 durfte der Handel selbst bestimmte Waren durch Teilzahlung verkaufen. Im Rahmen einer Verwaltungsreform 1952 stieg die Anzahl der DDR-Sparkassen auf 198, sie blieb bis zur Wiedervereinigung mit 196 relativ stabil. Im März 1956 erhielten die volkseigenen Sparkassen ein einheitliches Statut.





Als im Juli 1958 in Westdeutschland die Konzessionspflicht für die Eröffnung von Zweigstellen entfiel, entwickelten sich die Sparkassen zu Filialbanken mit weit verzweigtem Filialnetz. Die Auswirkungen der Verwaltungs- und Gebietsreform 1965 führten bei Sparkassen zu einer Intensivierungsphase des Filialbetriebs. Die reformbedingten Sparkassenfusionen ließen den Entwicklungstrend der Filialen nahezu unberührt. Eine zweite Welle von Erweiterungen des Filialnetzes gab es in Deutschland ab 1967, auch wenn die Erfindung des Geldautomaten die wichtige Filialfunktion der Kassenhaltung weitgehend obsolet machte. Der erste Geldautomat wurde in Deutschland am 27. Mai 1968 von der Kreissparkasse Tübingen in Betrieb genommen.





Finanzinnovationen des Sparkassensektors sind unter anderem das Anschaffungsdarlehen (1961), die Scheckkarte und der Sparkassenbrief (August 1967), der Dispokredit (September 1968) und die Sparkassenobligation (1970). Während es im Dezember 1990 noch 769 Sparkassen mit 19.036 Zweigstellen gab, schrumpfte ihre Zahl 1995 durch Fusionen auf 624/19.071, 2000 waren es 562/16.892, 2010 noch 429/13.025 und 2014 lauteten die Zahlen 416/11.951.[10] Der Schrumpfungsprozess ist ausschließlich auf Sparkassenfusionen zurückzuführen und verstärkt den Trend zu Lasten von Kleinsparkassen und zu Gunsten der Bildung von Großsparkassen, die – gemessen am Geschäftsvolumen – in die Betriebsgröße von Großbanken vordringen.