Deutsche Bank

Die Deutsche Bank AG (Audio-Datei / Hörbeispiel Anhören?/i) ist das nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl größte Kreditinstitut Deutschlands. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main ist als Universalbank tätig und unterhält bedeutende Niederlassungen in London, New York City, Singapur, Hongkong und Sydney.





Besonderes Gewicht legt die Bank auf das Investmentbanking mit der Emission von Aktien, Anleihen und Zertifikaten. Unter der Marke DWS Investments ist die Deutsche Bank mit einem Marktanteil von ca. 26 Prozent der größte Anbieter von Publikumsfonds in Deutschland.[4] Im Privatkundengeschäft in Deutschland lag im Jahr 2010 ihr Marktanteil einschließlich der Postbank bei rund 15 Prozent.[5]





Die Bank wurde 1870, ein Jahr vor der Gründung des Deutschen Kaiserreiches, in Berlin, wo sie auch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Sitz hatte, gegründet. Sie entwickelte sich im 20. Jahrhundert unter anderem durch Übernahmen und Fusionen zur Großbank. Meilensteine waren die Fusion mit der Disconto-Gesellschaft (1929) und die Übernahmen von Morgan Grenfell (1992) sowie von Bankers Trust (1999). In der Zeit des Nationalsozialismus war die Bank an „Arisierungen“ beteiligt. Es gibt Nachweise, dass die Bank an der Finanzierung des KZ Auschwitz mitwirkte und an Goldtransaktionen des NS-Regimes verdiente. Seit 1961 besteht ein „Historisches Archiv“ der Bank; alle von 1848 bis einschließlich 1945 entstandenen Archivunterlagen stehen für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung.[6]





Zu den wichtigsten Erweiterungen des Unternehmens in den letzten Jahren zählten der Kauf des Lebensversicherer Abbey Life der britischen Bank Lloyds TSB (2007), die Übernahme von Sal. Oppenheim (2009) und der Aktienmehrheit an der Deutschen Postbank (2010). Ein US-Ermittlungsverfahren gegen die Deutsche Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung wurde Ende 2010 gegen eine Strafzahlung eingestellt. Wegen weiterer Vergehen zahlte die Deutsche Bank 2015 eine Strafe von 2,5 Milliarden Euro an amerikanische und britische Behörden.[7]

Die Großbank wird vom Financial Stability Board (FSB) als „systemically important financial institution“ (systemisch bedeutsames Finanzinstitut) eingestuft und seit 2011 in der Liste global systemrelevanter Banken geführt.[8] Sie unterliegt damit einer besonderen Überwachung und strengeren Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital. Aufgrund der internationalen Verflechtungen gilt ein Ausfall der Bank als so riskant, dass er mit einem besonders hohen Risiko für die internationalen Finanzmärkte verbunden wird. Sie muss daher neben drei anderen Instituten den höchsten bislang geforderten Zuschlag von 2,5 Prozentpunkten am Eigenkapital gemessen an den Standards von Basel III aufweisen.[9]

Im Juni 2016 wurde die Deutsche Bank – ihr Derivatebuch fasst rund 50 Billionen Euro – vom IWF-Länderreport für Deutschland als die Bank mit dem weltweit höchsten Systemrisiko eingestuft. [10][11][12]

Die Deutsche Bank galt 2008 mit einem Marktanteil von etwa 21 Prozent als größter Devisenhändler der Welt. Bis 2013 halbierte sich der Marktanteil in diesem Segment, seit 2014 wird das Devisengeschäft durch die Citigroup dominiert.[13][14]



In der Hauptversammlung 2015 wurden Anshu Jain und Jürgen Fitschen, Co-Vorstandsvorsitzende seit 2012, von den Aktionären abgestraft: Nur 61 % vertrauen dem Führungsduo und der Strategie 2020.[15] Aufgrund des Wertverlustes der Aktie seit Mitte 2015 und der gesunkenen Marktkapitalisierung auf ungefähr 18 Milliarden Euro ist die Deutsche Bank ab dem 8. August 2016 nicht mehr Teil des Stoxx Europe 50 Index. Ende Juli 2016 betrug der Börsenwert nur noch 16,6 Milliarden Euro und lag damit z. B. hinter der kaum bekannten dänischen Danske Bank.[16]

Die Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank Anfang 2016 wie folgt: Moody’s mit Baa1, Standard & Poor’s mit BBB+ und Fitch Ratings mit A-.[17]